Articulate Localization
Technische Grenzen
Wo One-Click aufhört und QA beginnt
Dieser Beitrag erläutert die technischen Grenzen von Articulate Localization, die bei der Planung internationaler Rollouts, mehrerer Sprachen oder Voice-over-Varianten berücksichtigt werden müssen. Er bietet einen praxisnahen Realitätscheck, wo automatisierte Übersetzung endet und manuelle Arbeit beginnt.
Behandelt werden unter anderem der Medienmix, fehlende Änderungsverfolgung, Layout- und DTP-Themen sowie die erhöhte Komplexität bei Storyline-Logiken und Interaktionen.
Dies ist Beitrag 3 von 5 unserer Deep-Dive-Serie zu Articulate Localization in Storyline and Rise. Klicke auf den Button, um zurück zur Übersicht zu gelangen.
1) Der Medienmix:
Alles, was nicht „reiner Text“ ist, bleibt oft außen vor
Der wichtigste Reality-Check ist simpel: Articulate übersetzt Textblöcke gut.
Alles, was visuell eingebettet oder „extern“ ist, wird schnell zum manuellen Projektteil.
Typische Fälle, die One-Click nicht automatisch löst
Bilder mit Text
Screenshots, Infografiken, UI-Abbildungen: Der Text im Bild bleibt in der Ursprungssprache. Man muss das Bild ersetzen oder mit Overlays arbeiten.
PDFs und eingebettete Dokumente
Eingebundene Leitfäden, Infografiken, Handouts: werden nicht automatisch übersetzt. Man muss sie extern übersetzen und neu einbinden.
Videos mit On-Screen-Text
Text, der „im Video eingebrannt“ ist oder eingeblendet wird, bleibt unübersetzt. Untertitel können helfen, aber ersetzen nicht immer den visuellen Text.
Storyline-Blöcke in Rise
Ein kompletter Sonderfall: Interaktive Storyline-Einbettungen werden nicht „nebenbei“ mitübersetzt. Das braucht einen separaten Workflow.
Konsequenz: Der Klick liefert eine Textversion, aber man muss weiterhin wissen, wo überall Sprache steckt.
2) Updates ohne Änderungsnachverfolgung:
Der stille Kostentreiber
Eine der tückischsten Stellen in der Praxis ist nicht die erste Übersetzung, sondern das Update.
Typisches Szenario
Man ändert im Originalkurs eine Kleinigkeit, ein Wort oder einen Satz. Und danach passiert Folgendes:
- Abschnitte werden neu übersetzt
- frühere Korrekturen (z. B. Terminologie oder Stil) können überschrieben werden
- es gibt keinen sauberen Hinweis, welche Inhalte exakt betroffen sind
Das ist nicht dramatisch bei kleinen, textlastigen Kursen.
Bei komplexen Kursen mit vielen Lektionen und mehreren Sprachen wird es schnell zeitaufwendig und fehleranfällig, weil Reviewer nicht gezielt „nur Änderungen“ prüfen können, sondern manuell vergleichen müssen.
Praxis-Lösung (Workaround, nicht sexy, aber wirksam):
- Änderungen im Quellkurs konsequent markieren oder dokumentieren
- Vergleichsversionen erzeugen (z. B. Export/Ansichten), damit Reviewer gezielt Stellen abgleichen können
- Regression-Check als festen Projektschritt einplanen
3) Layout und DTP:
Übersetzung respektiert keine Textboxen
Maschinelle Übersetzung berücksichtigt kein Layout. Sie „setzt Text rein“.
Und genau da startet die klassische DTP-Arbeit, besonders in Storyline:
- Text läuft aus Boxen
- Buttons sind zu klein oder zu groß
- Zeilenumbrüche wirken unruhig
- Untertitel werden zu lang oder schlecht lesbar
- Animationen und Timings passen nicht mehr
Merksatz: Wer One-Click einsetzt, spart nicht automatisch DTP.
Er verschiebt es nur und muss es konsequent einplanen.
4) Storyline:
Ein neues Modell, neue Chancen, neue Komplexität
In Storyline bringt Localization eine Besonderheit: Mehrere Sprachen können auf dieselben Layout-Elemente zugreifen (Textboxen, Buttons, Medien). Das kann DTP in bestimmten Fällen vereinfachen, weil Anpassungen zentral wirken.
Aber: Sobald man pro Sprache unterschiedliche Medien braucht (Voice-over, lokalisierte Grafiken), kippt der Vorteil in Komplexität.
Beispiel: Voice-over in 10 Sprachen
Dann brauchen man Logik, die je nach Sprache die richtige Datei abspielt:
- „Spiele EN-Audio, wenn Kurs = Englisch“
- „Spiele DE-Audio, wenn Kurs = Deutsch“
- usw.
Klingt machbar. Ist es auch.
Nur wird es bei vielen Sprachen und vielen Cue Points sehr schnell unübersichtlich:
- 10 Sprachen = 10 Bedingungen
- 3 Cue Points pro Szene = 30 Trigger
- plus Prüfung, ob alle Trigger sauber feuern
Früher gab es oft „eine Storyline-Datei pro Sprache“. Das war nicht elegant, aber übersichtlich.
Jetzt ist es zentral, aber die Komplexität wandert in die Trigger- und Medienlogik.
Wichtig: Das ist kein Argument gegen Localization. Es ist ein Argument für Planung.
5) Mini-Checkliste:
Technische QA nach One-Click
Wenn man Articulate Localization nutzten möchte, muss man diese Checks fest einplanen:
Medienmix
• Bilder mit Text lokalisiert?
• PDFs übersetzt und korrekt eingebunden?
• Videos: On-Screen-Text berücksichtigt?
• Untertitel: Länge, Umbrüche, Timing geprüft?
Storyline/Interaktionen
• Trigger/Variablen/Zustände in allen Sprachpfaden getestet?
• Sprachabhängige Medienlogik (Audio, Grafiken) korrekt?
• Interaktive Elemente: Tooltips, Buttons, Feedbacktexte geprüft?
Layout/DTP
• Textüberläufe, abgeschnittene Elemente, unruhige Umbrüche?
• Responsives Verhalten (Rise) in typischen Viewports geprüft?
Update-Sicherheit
• Änderungen dokumentiert?
• Regression-Check durchgeführt?
• Frühere Korrekturen (Terminologie/Stil) nach Updates erhalten?
Fazit:
One-Click ist ein Tool. Der Rest ist Handwerk.
Articulate Localization kann einen schnellen Einstieg bieten.
Aber ohne technische QA wird aus dem lokalisierten Kurs schnell ein Flickenteppich: gemischte Sprachen im Medienmix, Layoutprobleme, übersehene Updates.
Wer diese Grenzen kennt, kann Localization sehr effektiv nutzen.
Wer sie unterschätzt, spart am Anfang Minuten und verliert später Tage.
Podcast zu diesem Beitrag:
Folge 3 „Technische Grenzen“
Lieber hören als lesen? Diese Folge ist die Audio-Version des Praxischecks, inklusive der wichtigsten Beispiele.
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FAQ
Technische Fragen zu Articulate Localization (Medien, Updates, Storyline)
Hier findest du Antworten auf die häufigsten Fragen rund um unseren technische Fragen zu Articulate Localization. Wir haben die wichtigsten Informationen für dich zusammengestellt. Solltest du weitere Fragen haben, zögere nicht, uns direkt zu kontaktieren.
Übersetzt Articulate Localization wirklich „alles im Kurs“?
Nein. Übersetzt wird vor allem Text, der als Text im Kurseditor vorliegt. Inhalte wie Text in Bildern, eingebettete PDFs, On-Screen-Text in Videos und bestimmte interaktive Sonderfälle bleiben oft außen vor oder benötigen separate Workflows.
Was passiert bei Updates: Bleiben unsere Korrekturen erhalten?
Teilweise, aber genau hier entsteht Risiko. Wenn Bereiche neu übersetzt werden, können vorherige Korrekturen (Terminologie, Stil, manuelle Anpassungen) überschrieben werden. Ohne saubere Änderungsdokumentation und Regression-Check wird das schnell fehleranfällig, vor allem bei mehreren Sprachen.
Kann man nach einem Update „nur die Änderungen“ prüfen?
Nicht zuverlässig wie in klassischen Übersetzungs- oder QA-Workflows. In der Praxis bedeutet das: man braucht intern einen Prozess, der Änderungen im Quellkurs klar markiert oder dokumentiert, damit Reviewer gezielt prüfen können, was wirklich neu ist.
Wie gehe ich mit Text in Screenshots, Grafiken oder Infografiken um?
Articulate erkennt diesen Text nicht automatisch. Man muss die Grafik separat lokalisieren (Bild neu bauen/ersetzen) oder Alternativen nutzen (Overlays, zusätzliche Textbausteine, Austauschgrafiken). Wichtig ist, dass der Medienmix vor dem Rollout systematisch erfasst wird.
Und Videos: Reichen Untertitel als Lösung?
Manchmal. Wenn der Videoinhalt verständlich bleibt und der On-Screen-Text keine tragende Rolle spielt, können Untertitel die schnellste Lösung sein. Sobald aber Begriffe im Video eingeblendet sind (UI, Prozessschritte, Diagramme), müssen diese visuell mitlokalisiert oder das Video angepasst werden, sonst bleibt die Sprache gemischt.
Warum wird Storyline mit Localization schnell komplex, wenn wir Voice-over nutzen?
Weil man pro Sprache unterschiedliche Medien abspielen muss. Das führt zu sprachabhängiger Logik (Trigger/Bedingungen) und kann bei vielen Sprachen und Cue Points stark anwachsen. Es ist machbar, aber nicht „gratis“: Planung, Struktur und Tests werden wichtiger.
Spart Localization DTP-Zeit in Storyline wirklich?
Manchmal, weil Layout-Anpassungen zentral wirken können. Aber: Übersetzung respektiert keine Textboxen und keine Timings. Sobald Texte länger werden, starten klassische DTP-Aufgaben (Überläufe, Umbrüche, Buttongrößen, Timing, Untertitel-Längen). Bei vielen Sprachen kann die DTP-Last sogar steigen, wenn Medien pro Sprache variieren.
Was ist der wichtigste technische „Must-have“-Schritt, damit nichts peinlich live geht?
Ein fester technischer QA-Block vor Veröffentlichung: Medienmix-Check, Layout/DTP-Check, Interaktions- und Sprachpfad-Tests (besonders Storyline), plus Regression-Check nach Updates. Ohne diesen Schritt ist „One-Click“ einfach nur eine schnellere Art, Probleme zu produzieren.
15 Minuten Klarheit statt Projekt-Überraschungen
Wenn du Articulate Localization nutzen möchtest (oder schon nutzt) und wissen willst, ob One-Click in deinem Setup wirklich Zeit spart, schauen wir gemeinsam kurz drauf:
- Kursstruktur (Rise, Storyline, Blends)
- Medienmix (UI, Untertitel, optional Audio)
- Sprachen, Update-Frequenz
- dein Review- und Freigabeprozess

ÜBERSETZUNG
„Made in Germany“ aus Baden-Württemberg steht weltweit für Qualität. Diesem Ruf fühlen wir uns verpflichtet. Eine hochwertige Übersetzung ist gut lesbar, leicht verständlich und für das Zielpublikum nicht als Übersetzung erkennbar. Das ist unser Anspruch.
